Einsatzstichwort: FGebäude, Gebäudebrand
Einsatzort: Böhlen (LL) OT Gaulis, Dorfstraße
Einsatzdauer: Ca. 9 h
Einsatzleiter: Zugführer FF Böhlen
Fahrzeuge:

FF Böhlen: MTW, LF16/12, TLF 16/24

FF Großdeuben: MTW

FF Rötha: MTW, LF 16/12

FF Groitzsch: ELW 1, LF 16/12, DLK 23/12

FF Zwenkau: ELW 1

FF Borna: TLF 16/48

FTZ Trebsen: GW Atemschutz/Strahlenschutrz

Stellv. Kreisbrandmeister: KdoW

Sonstiges:

Polizei, Rettungsdienst, OrgL, LNA

Bericht:

Vier Familien aus Gaulis haben zwei Wochen vor Weihnachten alles verloren: Ein Großfeuer vernichtete am Sonnabendnachmittag vier Reihenhäuser in dem Böhlener Ortsteil. Sechs Feuerwehren waren bis weit in die Nacht im Einsatz, doch sie konnten keines der Häuser retten. Drei Bewohner erlitten einen Schock. Ein Kamerad der Böhlener Wehr wurde bei den Rettungsarbeiten durch einen Stromschlag verletzt. Gestern früh rückte die Böhlener Feuerwehr erneut mit Blaulicht und mehreren Fahrzeugen in den Ortsteil Gaulis aus. Erneut stand eine Rauchsäule über einem der vier Reihenhäuser an der Dorfstraße. In dem zweistöckigen Komplex, der am Sonnabend durch einen Großbrand zerstört worden war, flammten erneut Glutnester auf. Fassungslos standen die Bewohner, die über Nacht bei Verwandten oder in einem Böhlener Hotel untergekommen waren, vor den Trümmern ihrer Heime. "Das Schlimmste ist, dass man nichts mehr hat", sagte ein älterer Mann. Binnen Minuten vernichteten die Flammen einen Lebenstraum. Der Wind habe das Feuer richtig angefacht, sagte er. Probleme mit dem Löschwasser hätten die Feuerwehr in Nöte gebracht. Viele Meter hoch hatten am Sonnabend kurz nach 14 Uhr die Flammen in den Nachmittagshimmel geschlagen, vermischt mit dunklem Qualm. Das Feuer, das nach ersten Ermittlungen der Polizei offenbar am Giebel des Gebäudes in einem Anbau ausgebrochen war, fraß sich, vom Wind begünstigt, an der hellblau gestrichenen Holzverkleidung entlang, die die komplette Fassade des Obergeschosses einhüllt. Ebenso schnell griff das Feuer auf den Dachstuhl über und vernichtete ihn auf der gesamten Länge. "Das Feuer ist förmlich durchgewandert", konstatierte der Böhlener Stadtwehrleiter Jens Mieth. Die Feuerwehren Böhlen, Rötha, Borna, Zwenkau, Großdeuben und Groitzsch waren mit mehr als 60 Kameraden im Einsatz, um den Brand zu bekämpfen. Erst nach acht Stunden war der Einsatz beendet. Über Nacht blieb eine Brandwache, ausgerüstet mit Wärmebild-Kameras, vor Ort. Kurz nach 8 Uhr am Sonntag qualmte es im Haus Nummer 23 erneut. Wieder rückte die Feuerwehr aus, löschte, riss eine Zwischendecke ein. Kreisbrandmeister Andreas Rüssel bestätigte Probleme mit den Hydranten. "Deckel waren zugefroren, andere nicht gleich zu finden", sagte er. Das habe die Löscharbeiten etwas behindert. Schwierig sei auch gewesen, dass die Gasthermen der Eigenheime auf den Dachböden installiert seien. Dem Vernehmen nach soll ein Hund angeschlagen und somit eine noch schlimmere Katastrophe verhindert haben. Dank eines Zeugen, der sofort Hilfe holte, konnten neun Bewohner im Alter zwischen 18 und 72 Jahren ihre Häuser noch rechtzeitig verlassen, doch drei von ihnen erlitten einen Schock und wurden medizinisch versorgt. Die Stadt Böhlen kümmerte sich um die provisorische Unterbringung der Brandopfer. Wer nicht bei Verwandten oder Freunden unterkam, für den wurden Hotelbetten bereitgestellt. "Das Zusammenspiel von Feuerwehren, Rettungskräften, Polizei und Stadtverwaltung hat funktioniert", resümierte Andreas Rüssel gestern. "Die Gebäude sind nicht mehr bewohnbar. Der Sachschaden ist sehr hoch und kann noch nicht beziffert werden", sagte Polizeihauptkommissar Peter Müller von der Polizeidirektion Westsachsen gestern. Die Kriminalpolizei habe noch am Sonnabend ihre Ermittlungen aufgenommen. Die Brandursachen-Ermittler der Kripo Westsachsen verschafften sich gestern zunächst einen ersten Überblick. Es sei noch "alles offen", sagte Ermittler Martin Rahn. Heute sollen die Untersuchungen vertieft werden. Bürgermeisterin Maria Gangloff (Die Linke) war tief bestürzt und empfand "einfach Hilflosigkeit". Heute morgen wird sie mit den Betroffenen und der Hausverwaltung über Ausweichquartiere sprechen. Sie ersuchte zugleich um Mithilfe: Wer Möbel und andere Ausstattungsgegenstände abgeben kann, sollte sich im Rathaus Böhlen melden. "Wir sammeln Sachen", sagte Nachbarin Christine Strehlow gestern. Sie hatte bereits am Vortag geholfen und Tee und Kaffee für die Einsatzkräfte gekocht. Beim Löscheinsatz verletzt wurde ein Kamerad aus Böhlen. Der 23-Jährige erlitt einen Stromschlag, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Energiezufuhr zum Gebäude schon unterbrochen gewesen sei. Der Mann kam vorsorglich ins Krankenhaus.

                                                                                                                                                     Artikel: LVZ 10.12.2012

Bilder:

  

  

  

  

 

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